Dokumentierter Rahmen

Studien und Quellen zum Buch „Innere Abgründe“

Diese Seite dokumentiert den äußeren, überprüfbaren Rahmen des Buchprojekts. Sie trennt drei Erkenntnisebenen:

Dokumentierter Befund: Studien, Gutachten und Dokumente zeigen Vorgänge, Zahlen und institutionelle Strukturen innerhalb ihres jeweiligen Auftrags, Zeitraums und methodischen Rahmens.

Modellgestützte Rekonstruktion: Das Projekt erzeugt mögliche Sprachmuster innerhalb definierter Rollen-, Kontext- und Konflikträume. Diese Texte sind keine empirischen Belege.

Redaktionelle Interpretation: Das Buch ordnet die rekonstruierten Muster ein und stellt sie dokumentierten Befunden gegenüber. Diese Gegenüberstellung ist eine Deutung, kein Nachweis innerer Gedanken konkreter Personen.

Alle Quellen sind direkt mit der Originalfundstelle verlinkt. Zahlen werden nur zusammen mit Quellentyp, Zeitraum und Reichweite verwendet.

Der dokumentierte äußere Rahmen

Studien zu sexualisierter Gewalt und institutionellem Versagen

Die folgende Auswahl ist keine vollständige Datenbank aller 27 deutschen (Erz-)Bistümer. Sie verbindet bundesweite Befunde, historische Vertiefungen, Analysen institutioneller Machtstrukturen und juristisch untersuchte Verantwortlichkeiten.

MHG-Studie

Forschungskonsortium Mannheim, Heidelberg, Gießen

Bundesweite Auswertung von 38.156 Personal- und Handakten aus allen 27 Diözesen für den Zeitraum 1946 bis 2014: 1.670 beschuldigte Kleriker (4,4 Prozent) und 3.677 Betroffene. Die Forschenden bezeichnen die Zahlen ausdrücklich als untere Schätzgröße.

Fundstelle im Buch: Kapitel 19, 20, 22 · Abrufstand: 12. Juli 2026

MHG-Studie als PDF öffnen ↗

Münsteraner Studie

Großbölting/Große Kracht u. a., Universität Münster

Historische Untersuchung zum Bistum Münster für den Zeitraum 1945 bis 2020: 196 beschuldigte Kleriker, mindestens 610 Betroffene, etwa 15 staatlich sanktionierte Beschuldigte, zwölf später wieder in der Seelsorge eingesetzte Beschuldigte und sechs erfasste Fälle mit Maßnahmen bis zur Laisierung.

Fundstelle im Buch: Kapitel 20, 22, 24 · Abrufstand: 12. Juli 2026

Untersuchung der Universität Münster öffnen ↗

Erzbistum München und Freising

Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl · Untersuchungszeitraum 1945 bis 2019

Das rund 1.600 Seiten umfassende Gutachten untersucht den Umgang der Bistumsleitung mit Verdachtsfällen und Beschuldigten sowie mögliche Pflichtverletzungen von Leitungspersonen über mehrere Jahrzehnte.

Fundstelle im Buch: Kapitel 20 · Abrufstand: 26. Juli 2026

Gutachten beim Erzbistum München und Freising öffnen ↗

Erzbistum Freiburg

Arbeitsgruppe „Machtstrukturen und Aktenanalyse“ der Aufarbeitungskommission · Untersuchungszeitraum 1945 bis 2020

Systemische Analyse exemplarischer Fälle zu Mentalitäten, Mechanismen, Verantwortlichkeiten und Strukturen, die sexualisierte Gewalt ermöglicht oder ihre Aufarbeitung behindert haben. Es handelt sich nicht um eine vollständige Zählung, sondern um eine Untersuchung von Vertuschung und Verantwortung.

Fundstelle im Buch: Kapitel 19, 20 · Abrufstand: 26. Juli 2026

Aufarbeitung im Erzbistum Freiburg öffnen ↗

Bistum Aachen

Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl · Untersuchungszeitraum 1965 bis 2019

Untersuchung zum Umgang der Verantwortlichen mit Fällen sexualisierter Gewalt: mindestens 175 Missbrauchshinweise und 81 Beschuldigte, darunter 79 Priester und zwei Diakone.

Fundstelle im Buch: Kapitel 20 · Abrufstand: 26. Juli 2026

Gutachten beim Bistum Aachen öffnen ↗

Erzbistum Köln: Gercke-Gutachten

Prof. Dr. Björn Gercke · Untersuchungszeitraum 1975 bis 2018

Prüfung möglicher Pflichtverletzungen von Diözesanverantwortlichen im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt: 236 ausgewertete Aktenvorgänge und 75 festgestellte Pflichtverletzungen.

Fundstelle im Buch: Kapitel 20 · Abrufstand: 26. Juli 2026

Untersuchung beim Erzbistum Köln öffnen ↗

John Jay Report, USA

John Jay College of Criminal Justice · im Auftrag der US-Bischofskonferenz · Zeitraum 1950 bis 2010

Internationale Ursachen- und Kontextstudie. Sie kam zu dem Ergebnis, dass weder Zölibat noch homosexuelle Identität signifikante Ursachen waren.

Fundstelle im Buch: Kapitel 13 · Abrufstand: 12. Juli 2026

Bericht bei der US-Bischofskonferenz öffnen ↗

Zusammenschau

Was die Untersuchungen gemeinsam sichtbar machen

Die Untersuchungen unterscheiden sich in Auftrag, Zeitraum und Methode. Wiederkehrend dokumentiert werden unter anderem problematische Aktenführung, der Schutz Beschuldigter, Versetzungen, schwache oder verspätete Sanktionen, Verantwortungsdiffusion, institutionelle Loyalität und eine nachrangige Berücksichtigung der Betroffenen. Nicht jeder Bericht belegt jedes dieser Muster gleichermaßen.

In der Zusammenschau bilden die Untersuchungen den dokumentierten äußeren Rahmen des Buches. Die sprachlichen Rekonstruktionen liegen auf einer anderen Erkenntnisebene. Sie sind eine modellgestützte Rekonstruktion möglicher Selbstdeutungen und kein zusätzlicher empirischer Befund.

Welche Muster das Buch aus den Rekonstruktionen ableitet

Laufende Projekte

Laufende Aufarbeitungsprojekte

Bistum Trier

Universität Trier · Untersuchungszeitraum ab 1946

Das laufende Projekt untersucht Fälle, institutionelle Bedingungen und Folgen für Betroffene aus historischer und psychologischer Perspektive. Der veröffentlichte Zwischenstand nennt 734 dokumentierte Betroffene und 246 Beschuldigte. Zwischenberichte sind keine endgültigen Gesamtbefunde.

Abrufstand: 26. Juli 2026

Forschungsprojekt der Universität Trier öffnen ↗

Weitere diözesane Aufarbeitungsprojekte

Zahlreiche weitere deutsche (Erz-)Bistümer haben eigene Gutachten, historische Untersuchungen oder unabhängige Aufarbeitungsprojekte begonnen oder veröffentlicht. Eine laufend aktualisierte Gesamtübersicht stellt die Deutsche Bischofskonferenz bereit.

Abrufstand: 26. Juli 2026

Übersicht der diözesanen Aufarbeitungsprojekte öffnen ↗

Kontext KI-Nutzung

Kontext: Wie generative KI genutzt wird

Allgemeine Nutzungsdaten dienen ausschließlich der Einordnung, dass persönliche Reflexion und religiös zuordenbare Aufgaben in generativen KI-Systemen vorkommen. Sie sind kein Nachweis für private Schuld-, Beicht- oder Tätergespräche und keine Aussage über die Identität der Nutzenden.

Warum der digitale Beichtstuhl als Metapher dient

OpenAI/NBER: How People Use ChatGPT

Das Working Paper klassifiziert auf Nachrichtenebene eine große, datenschutzwahrend gebildete Stichprobe aus ChatGPT-Konversationen. Die untersuchten Nutzernachrichten wurden unter Einbeziehung vorausgehender Gesprächsteile thematisch eingeordnet.

Practical Guidance“, „Seeking Information“ und „Writing“ bilden zusammen den weit überwiegenden Teil der untersuchten Nutzung. Der Kategorie „Relationships and Personal Reflection“ wurden 1,9 Prozent der Nachrichten zugeordnet, „Games and Role Play“ 0,4 Prozent.

Ob einzelne Gespräche religiös, therapeutisch oder beichtähnlich waren, zeigt die Studie nicht. Sie dokumentiert jedoch persönliche Reflexion als real vorkommende Kategorie der ChatGPT-Nutzung.

Veröffentlichung: September 2025 · Fundstelle im Buch: Kapitel 3 · Abrufstand: 18. Juli 2026

Working Paper beim NBER öffnen ↗   Zusammenfassung der Harvard Kennedy School öffnen ↗

GPT Insights: frühere modellgestützte Rekonstruktion

Die am 2. Mai 2025 veröffentlichte Prompt-Decoding-Analyse rekonstruierte praktische Unterstützung, Informationssuche und Schreiben als dominante Anwendungsbereiche. Kleinere Kategorien wurden unter anderem als „Persönliche Reflexion & Coaching“ mit rund zwei Prozent und „Unterhaltung / Rollenspiel“ bezeichnet. Eine Archivfassung dokumentiert die öffentliche Verfügbarkeit im Juni 2025 und damit vor dem NBER-Working-Paper.

Quellenangabe: Hanns Kronenberg: „Wofür Menschen ChatGPT wirklich nutzen – eine modellgestützte Auswertung“, GPT Insights, 2. Mai 2025 · Fundstelle im Buch: Kapitel 3

Veröffentlichung bei GPT Insights öffnen ↗   Archivfassung öffnen ↗

Methodische Grenze des Vergleichs

Die Kategorien der beiden Auswertungen wurden unabhängig voneinander entwickelt und sind nicht vollständig deckungsgleich. „Coaching“ kann in der NBER-Systematik beispielsweise teilweise unter praktische Unterstützung fallen. Der Vergleich zeigt inhaltliche Ähnlichkeiten in der Grundstruktur und eine zahlenmäßige Nähe im kleinen Bereich persönlicher Reflexion.

Er zeigt, dass eine frühere modellgestützte Auswertung inhaltlich ähnliche Nutzungskategorien rekonstruieren konnte. Er validiert weder einzelne Buchdialoge noch Aussagen über die Gedanken konkreter Personen. Die spätere Studie bestätigt auch nicht jeden rekonstruierten Prompt oder jede Prozentangabe.

Anthropic Economic Index

Claude ist ein von Anthropic entwickeltes KI-Dialogsystem, ähnlich wie ChatGPT. Der Anthropic Economic Index wertet anonymisierte und aggregierte Gespräche mit Claude nach Aufgaben aus.

Im Snapshot Mai 2026 entfielen 0,18 Prozent der analysierten Claude-Nutzung auf Aufgaben, die der Kategorie „Geistliche und religiöse Amtsträger“ („Clergy“) zugeordnet wurden. Die Kategorie erreichte Rang 110 von 718 veröffentlichten Berufszuordnungen. Religiöse Bildungs- und Leitungsaufgaben lagen mit 0,76 Prozent auf Rang 32.

Erfasst wurden unter anderem religiöse Auslegung, Predigten, Lehrinhalte und seelsorgerische Beratung. Gemessen wird die Aufgabe im Gespräch, nicht der Beruf oder die Identität der schreibenden Person. Die Daten belegen daher weder eine Nutzung durch Geistliche selbst noch konkrete Schuld-, Scham- oder Beichtgespräche.

Die Methodik wurde mit dem ersten Bericht im Februar 2025 eingeführt: Damals wurden ungefähr eine Million Claude-Free- und Pro-Konversationen datenschutzwahrend automatisiert mit Aufgaben des beruflichen Klassifikationssystems O*NET verbunden. Der Index wird seither regelmäßig fortgeschrieben; der oben genannte Snapshot Mai 2026 beruht auf einer späteren, voraussichtlich deutlich größeren Auswertung.

Die Angabe kleiner Prozentwerte garantiert nicht die Genauigkeit jeder einzelnen Klassifikation. Die Auswertung dokumentiert aber religiöse und seelsorgerische Aufgaben als realen Nutzungskontext.

Herkunft: Anthropic Economic Index, Snapshot Mai 2026 · Veröffentlicht: 24. Juni 2026 · Abfrage: 27. Juli 2026

Anthropic Economic Index öffnen ↗

Reinforcement Learning from Human Feedback (RLHF)

RLHF ist ein wissenschaftlich dokumentiertes und in der Entwicklung moderner Sprachassistenten eingesetztes Verfahren des Post-Trainings. Menschliche Vergleiche und Bewertungen von Modellantworten werden zu einem Bewertungssignal verdichtet, mit dem ein Sprachmodell auf hilfreiche und erwünschte Antworten ausgerichtet wird. Die InstructGPT-Arbeit beschreibt die Kombination aus überwachten Beispielen, menschlichen Rangfolgen und anschließendem Reinforcement Learning; eine Anthropic-Arbeit untersucht RLHF zur Ausbildung hilfreicher und möglichst harmloser Assistenten.

Neben eigens erhobenen Rangfolgen können auch freiwillige Nutzersignale wie Daumen hoch oder Daumen runter in Bewertungs- und Trainingsdaten einfließen. Solche Signale verändern ein laufendes Modell nicht unmittelbar, können aber gesammelt, ausgewertet und für spätere Evaluationen und Trainingsschritte genutzt werden. Welche Verfahren ein konkretes aktuelles Modell im Detail nutzt, ist nicht immer öffentlich dokumentiert.

Belegt den methodischen Hintergrund der Methodenseite · Fundstelle im Buch: Kapitel 3 · Abrufstand: 29. Juli 2026

InstructGPT (arXiv) öffnen ↗   Anthropic: Helpful & Harmless (arXiv) öffnen ↗   OpenAI: Feedback- und Evaluationsdaten öffnen ↗

Kirchliche Grundlagen

Kirchliche Verfahrens- und Anerkennungsgrundlagen

Diese Dokumente beschreiben normative Regeln für Anerkennungsleistungen, Voruntersuchungen, Zuständigkeiten und vorsorgliche Maßnahmen. Sie belegen nicht, wie eine konkrete Institution in einem Einzelfall gehandelt hat.

Ordnung zur Anerkennung des Leids

Deutsche Bischofskonferenz · 2023

Verfahren zur Anerkennung erlittenen Leids, Antragswege und Entscheidungsstruktur. Relevant für die Perspektive der Betroffenen und die Frage institutioneller Anerkennung.

Fundstelle im Buch: Kapitel 20 · Abrufstand: 5. Juli 2026

Ordnung als PDF öffnen ↗

Codex Iuris Canonici

Verfahrensrechtliche Grundlage für kirchliche Voruntersuchung, Zuständigkeit und vorsorgliche Maßnahmen, insbesondere cann. 1717 bis 1722, 368 bis 393 und 983 bis 984.

Fundstelle im Buch: Kapitel 20 · Abrufstand: 5. Juli 2026

Codex online öffnen ↗

Vademecum

Dikasterium für die Glaubenslehre · Version 2.0, 2022

Verfahrenshinweise zu Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker.

Fundstelle im Buch: Kapitel 20 · Abrufstand: 5. Juli 2026

Vademecum öffnen ↗

KI in priesterlichen Aufgaben

Dokumentierte Beispiele generativer KI für priesterliche Aufgaben

Dürfen Priester für ihre Predigt künstliche Intelligenz nutzen?

DOMRADIO.DE, Erzbistum Köln

Der Bericht dokumentiert Beispiele und eine kirchliche Debatte über generative Systeme in Predigt und Seelsorge. Er belegt diesen Nutzungskontext, nicht persönliche Schuld- oder Beichtgespräche.

Fundstelle im Buch: Kapitel 3 · Abrufstand: 18. Juli 2026

Bericht bei DOMRADIO.DE öffnen ↗

Grenzen

Grenzen des Quellenrahmens

  • Die Auswahl ist thematisch begründet, aber nicht vollständig.
  • Zahlen aus unterschiedlichen Untersuchungen sind wegen abweichender Aufträge, Zeiträume und Methoden nicht ohne Weiteres vergleichbar.
  • Zwischenstände laufender Projekte sind keine endgültigen Gesamtbefunde.
  • Allgemeine KI-Nutzungsdaten beschreiben Aufgaben und Kategorien, nicht die Identität oder den Beruf der Nutzenden.
  • Keine Quelle belegt die Gedanken, Motive oder privaten Chatverläufe eines konkreten Täters.
  • Die Rekonstruktionen des Buches sind keine zusätzliche empirische Quelle. Sie sind modellgestützte Rekonstruktionen; die Forschungsthese lautet, dass reale Prompts, Beispiele und menschliche Rückmeldungen die untersuchten Sprachbeziehungen im Modellverhalten mitgeprägt haben.

Gerade die klar benannte Reichweite macht den Quellenrahmen nachprüfbar: Jeder Befund bleibt an Auftrag, Zeitraum und Methode der jeweiligen Quelle gebunden.

Wie die Rekonstruktionen entstanden sind

Quellenverzeichnis zuletzt redaktionell geprüft: 31. Juli 2026